Kurznachrichten Nahost - Wirtschaft & Politik
Ein Bericht zur Wirtschaftspolitischen Lage in Ägypten von den Senatoren Dr. Ali El Sharkawy und Dr. Joachim Tesmer.
Ägypten. Sharaf, der ägyptischen Ministerpräsident, bekräftigte während des Besuches des österreichischen Außenministers in Kairo noch einmal den festen Willen, Ägypten in die Demokratie zu führen, den Rechtsstaat umzusetzen und die Einhaltung der Menschenrechte durchzusetzen. Der österreichische Außenminister Spindelegger hat Ägypten einen Kredit von 70 Mio. Euro angeboten für Bildung, Gesundheit und Verkehr.
Die ägyptische Börse hat wieder geöffnet und der Handel hat sich stabilisiert.
Frankreichs
Investitionen betragen 13 Mrd. Euro, und die französischen Unternehmer wollen weiter investieren, so der
französische Botschafter in Kairo. Frankreich hat schnell reagiert und gleich nach der Wende
Tunesien und Ägypten Unterstützung zugesagt.
Inzwischen spricht
auch die USA von einer Erweiterung der Kooperation und Investitionen amerikanischer Firmen in
Ägypten anlässlich eines Treffens einer Delegation aus Mitgliedern des US-Kongresses
und der amerikanischen Botschafterin Scobey mit dem Industrie- und
Wirtschaftsminister El Sajad.
Energieminister will etwa 3 Mrd. in Strom und Energieprojekte investieren.
Das Stromvolumen soll auf 75000 Megawatt erhöht werden. Etwa 65 % der Investitionen sollen aus privater Hand kommen. In den nächsten Wochen wird der erste Sonnenenergiepark mit 140 Megawatt Kapazität eröffnet. Weitere Sonnenenergieparks sind geplant. Der nächste Park mit 100 Megawatt in Komompo wird in Südägypten entstehen und ein weiterer mit 20 Megawatt soll folgen. Ende April wird eine Ausschreibung über einen Strompark veröffentlicht, der Ägypten und Saudi-Arabien beliefern soll. Das Projekt ist mit 1,5 Mrd. US Dollar veranschlagt und wird etwa 3000 Megawatt Strom liefern. Baubeginn Januar 2012 und voraussichtliche Fertigstellung Anfang 2015.
BP will in Ägypten ein konzerneigenes IT-Center gründen.
Bahrain. International Fond Services (IFS) sagt Ahli United Bank (AUB) in Bahrain eine Investitionssumme von 290 Mio. USD zu, 125 Mio. als Direktinvestition und 165 Mio. als Kredit. Das Kapital soll für verschiedene regionale Projekte und für die Expansion der AUB eingesetzt werden.
Kuwait. 90 Mrd. US Dollar will die kuwaitische Petroleum-Behörde in den nächsten fünf Jahren in die Förderung und Verarbeitung von Gas und Öl stecken. Ein langfristiges Programm, das bis 2030 laufen wird und auf 340 Mrd. US Dollar geschätzt wird.
Am 4.4.2011 beschloss die erste Vollversammlung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) ihr Arbeitsprogramm und das Budget für 2011 (25 Mio. US Dollar). Generaldirektor: Adnan Amin (kenianischer Diplomat, Arbeit u.a. bei der Weltbank und im Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP); Sitz des Sekretariats: Abu Dhabi. Die Gründung von IRENA geht auf deutsche Initiative zurück.
Saudi-Arabien. Der Leiter der Behörde für Eisenbahn und Streckennetz, Abd El Aziz El Hoqil, kündigte die Modernisierung der Strecke Riad – El Damam an. Neue Züge sollen ab September 2011 die Fahrgäste befördern. Außerdem soll das Netz zwischen Riad und Städten im Osten des Landes erweitert werden. Grund: sicherer Transport und mehr Fahrgäste. In Riad soll ein SBahnnetz gebaut werden.
Katar. Katar Gas will bis 2013 den Sprung an die Weltspitze schaffen, das kündigte der Generaldirektor Khaled Bin Khalifa Al-Thani an. Augenblicklich produziert Katar Gas 42 Mio. t Gas im Jahr. In nur fünf Jahren hat Katar Gas sich unter den Ersten positioniert.
Der Haushaltsetat 2011/2012 sieht eine
Reihe von Großprojekten vor. Die Verbesserung der Infrastruktur hat dabei einen wichtigen
Anteil. Der neue internationale Flughafen Doha soll Mitte 2012 fertig gestellt werden. Man
verspricht sich einiges davon: mehr Touristen, ausländische Investoren und eine enge
Verbindung zwischen Katar und Bahrain.
Die Katar Fluggesellschaft will ihre
Flotte von 90 auf 150 Flugzeuge erweitern und 120 Flughäfen anfliegen. Augenblicklich
werden 90 Flughäfen angeflogen. Ein ehrgeiziges Projekt, das sich Said El Hagri,
Generaldirektor der Reiseagentur „Ali bin Ali“ vorgenommen hat.
Ein anderer Teil des Etats soll in den
Bau von Hotel- und Ferienanlagen fließen. Für die Fußballweltmeisterschaft 2022 will Katar
die Hotelbetten von 21.000 auf 80.000 aufstocken.
Ausblick
Die Beziehung zwischen Ägypten und der EU/Deutschland bietet Potential, und zwar nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. Interessant ist die geografische Lage Ägyptens, die als Drehscheibe für die Märkte in Afrika und Asien angesehen werden kann. Interessant ist aber auch die Struktur des Volkes. 70% sind unter 30. Zwar sind etwa 25% Analphabeten, so die offizielle Schätzung, dennoch können Firmen aus der EU von diesem Humankapitel profitieren.
Die Revolution hat die politische Landschaft verändert. Sie birgt aber auch Risiken. Keineswegs muss die Wende in einen demokratischen Musterstaat münden. Kräfte unterschiedlicher Couleur kommen jetzt aus ihrer Deckung heraus und versuchen, Einfluss zu gewinnen. Es gibt aber begründete Hoffnung, dass sich Ägypten demokratisch und modern aufstellen wird. In allen Medien wird dieser Hoffnung Ausdruck verliehen. Diesen Demokratisierungsprozess können Fachleute aus Parteien und Verbänden aus Deutschland und der EU unterstützen. Der Modernisierungsbedarf in der ägyptischen Wirtschaft ist groß. Und das betrifft die gesamte Wirtschaft vom Eisenbahnnetz über Wasseraufbereitung und Stahlverhüttung bis hin zum Gesundheitswesen und zur Bildung. Schon ab 1995 gab es Bemühungen, die Wirtschaft zu reformieren. Allem voran sollten Staatbetriebe privatisiert werden. Dieser Reformprozess könnte Auftrieb erhalten durch die Wende. Die Hoffnung ist groß, und überall hört man nur von einem, dem Beginn einer neuen Epoche eines „Arabian Awakening“.

